Mitternächtliche Flucht vom wilden Strand

Am Vortag freuen wir uns noch, dass wir direkt am Strand 5 Meter von der Wasserlinie entfernt stehen, heute Abend ist das plötzlich nicht mehr so lustig.

Kurz bevor wir grillen wollen hat es ein paar Tropferl geregnet, die Wolken brauen sich mehr und mehr zusammen. Später am Abend wird der Wind stärker, wir denken uns noch nicht viel dabei, bauen aber vorsichtshalber gleich mal die Markiese ab. Gemütlich sitzen wir noch bei einem Absacker, plötzlich kommt das Wasser schon fast bis zu unseren Füßen. Wird schon nicht so schlimm werden, denken wir, fangen aber schon mal an, alles was draußen so rumliegt wegzuräumen.

Hinter uns ist ständig der Himmel von hellen Blitzen erleuchtet. Donner hören wir keine, mag vielleicht daran liegen, dass die Wellen so enorm dosen. Das Gewitter zieht irgendwo hinter uns herum, kommt aber nicht direkt zu uns.

Dann geht‘s plötzlich ganz schnell, das Wasser umspült schon die Reifen des Bremis. Gut, jetzt wird’s aber Zeit!Nachdem wir die 2. Nacht da waren, hatten wir natürlich viel Zeugs rumstehen. Ich hab in Windeseile alles so gut als möglich verstaut, die nicht so heiklen Sachen einfach in die Wohnkabine gepfeffert. Christian hat begonnen den Reifendruck abzulassen. Mittlerweile umspült das Wasser unser Auto.

Ich hab ja schon gesehen, dass auf den Bäumen an der Böschung hinter uns Schwemmgut hängt, hab aber eher gedacht, dass sowas nur bei Winterstürmen vorkommt.

Die Famile mit den 3 kleinen Kindern macht sich auch gerade auf, den Strand zu verlassen und ins Auto, das sie auf der Zufahrtstrasse geparkt haben, zu flüchten. Sie lassen das Meiste zurück und haben nur die wichtigsten Sachen dabei. Hoffentlich sind morgen nicht ihre Zelte zerstört!

Also schnell weg! Der Strand ist schon teilweise nicht mehr zu sehen, wir müssen durch die Brandung fahren, die weiß schäumente Gischt spritzt auf. Wir schaffen es zum Glück recht zügig vom Strand runterzukommen.

Wir fahren über die Kuppe in den Pinienwald und schon bald haben wir am Wegesrand einen „Notschlafplatz“ gefunden der recht windstill ist. Der Himmel ist auch hier immerfort von grellen Blitzen erleuchtet. Einmal regnet es kurz ein paar Tropfen.

Am nächsten Morgen fahren wir zum Strand zurück, um zu sehen, wie es dort aussieht. Das Wasser ist wieder zurückgegangen, aber anhand des angespülten Seegrases und Plastikmülls kann man genau erkennen, dass das Wasser weit über unseren Stellplatz hinaus geschossen ist.

Der Zeltplatz von Athonis, Anastasía und den Kids hat das Unwetter einigermaßen überstanden, sie mussten das Zelt zwar neu aufbauen, aber ihre Sachen wurden zum Glück gerade mal so vom Wasser verschont.

Wir fahren weiter und als wir mal Pause machen wundern wir uns, warum sowohl Christian als auch ich besorgte SMS Nachrichten von Freunden bekommen haben, ob es uns wohl gut geht. Erst dann lesen wir von dem wirklich schlimmen Unwetter, das in den Morgenstunden an einem Ort an der Westküste in der Nähe von Chalkida eine Feriensiedlung zerstört, Autos ins Meer gespült und sogar 6 Todesopfer gefordert hat. Echt tragisch! Da haben wir an der Ostküste noch mal richtig Glück gehabt!


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