Cirque de Jaffar – Wir haben ihn doch noch bezwungen!

Schon am Anfang unserer Reise wollten wir den berühmt berüchtigten Cirque de Jaffar fahren. Aber natürlich nicht die neu ausgebaute Strecke von Midelt aus, sondern durch die Felsenschlucht. Mitte Februar hat uns der noch einen Meter hohe Schnee einen Strich durch die Rechnung gemacht.

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Jetzt anfang April lacht der Schnee zwar noch von den Gipfeln der 3.000er aber die Schlucht ist befahrbar. Und ein richtiges Abenteuer. Man weiß anfänglich nicht so recht, was einen erwartet. Ob der Weg einigermaßen frei ist, oder tiefe Ausschwemmungen und große Felsbrocken das Durchkommen erschweren oder gar unmöglich machen?
Aber das gehört nun mal zum Abenteuer dazu. Auch wenn ich in solchen Situationen immer ein bisschen Bammel hab (umdrehen in der engen Schlucht, wenn man merkt es geht nicht mehr weiter wird wohl nahezu unmöglich sein), für Christian ist sowieso klar: geht nicht gibts nicht! Also fahren wir mal drauf los.
Am Anfang ist die Strecke durchs Flußbett ziemlich einfach. Beeindruckend ist hier, dass die Schlucht sehr hoch und eng ist. Man kommt sich winzig zwischen den hohen Felsen vor.

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Nach wenigen hundert Metern wird es schon schwieriger. Es liegen größere Felsbrocken im Weg und wir müssen uns eng an der Felswand vorbeikuscheln. Geht sich gerade noch so aus.


Dann stehe ich schon händeringend und haareraufend draußen. Eine kurze sehr steile Abfahrt, die auch noch schön schräg ist. Und der Bremi rutscht auch noch in die Fallrichtung ab und wir stecken mit dem linken Vorderrad in einem Loch, das vorne durch einen großen, unbeweglichen Stein blockiert ist. Na bravo, denk ich mir. Die einzige Möglichkeit ist nun, über den Stein drüberzuruckeln, was den Bremi ordentlich ins Schwanken bringt. Ich mach die Augen zu und schon sind wir Gott sei Dank durch.


Wir gehen ein Stück vor und besichtigen die Strecke. Es wird nicht besser, ganz im Gegenteil. Der LKW, dessen Spuren wir bis zur Steilabfahrt noch gesehen haben, dürfte dort wohl umgekehrt haben. Es sind riesige Felsbrocken im Weg, die einige Engstellen verursachen, natürlich manchmal genau dort, wo man zusätzlich mit der Länge unseres Autos schwer um die Kurve kommt. Aber Christian ist der Meinung, das wird schon gehen.


So kommen wir einmal in eine brenzlige Situation. Wir stehen rechts vorne mit der Schnauze an der Felswand an und stecken mit dem linken Hinterrad bei 2 Felsbrocken fest und kommen nicht vorbei, ohne den Reifen zu schrotten. Das ganze natürlich auch noch gehörig schief, sodass das Auto nach links zu kippen droht. Es geht weder vor, noch zurück. Wir legen Steine unter um den linken Hinterreifen beim Weiterfahren in die Höhe und somit weg von den Felsbrocken zu bekommen. Die Vorderreifen stehen so, dass ein Weiterfahren unmöglich ist. Lenken lassen sie sich im Stand aber auch nicht. Na super. Es gelingt uns nicht, uns vom Stand zu bewegen. Der linke Hinterreifen schafft es nicht, in die Höhe zu kommen. Es sieht schon beinahe so aus, als wolle der Reifen von der Felge hüpfen, so quetscht er sich an den Stein.


Gut dann packen wir auch noch die Sandbleche aus. Noch mehr Steine und die Sandbleche darüber und es gelingt uns tatsächlich ohne Reifenschaden aus dem Schlamassel rauszukommen.
Das wäre mal geschafft. Bin schon gespannt, wie es weitergeht. Die weitere Strecke schaut bis auf eine extreme Schrägfahrt nicht mehr so schwierig aus. Immer noch anspruchsvoll aber machbar.
Die Schrägfahrt hat’s dann doch noch mal in sich. 22 Grad Neigung, einmal sogar kurz 23 Grad. Mir wird wieder kurz ganz mulmig. Alles was dann kommt ist nur mehr ein Kinderspiel im Vergleich dazu.


Inzwischen ist eine Gruppe von Spaniern hinter uns. Sie sind mit Mercedes-G unterwegs, die sich natürlich bedeutend leichter tun als wir. Wir bekommen Anerkennung von ihnen, dass wir es mit unserem im Vergleich großen Auto hier durch geschafft haben. Als wir die 2 km durch die Schlucht hinter uns gebracht haben und ich auf die Uhr schaue staune ich, wir haben mehr als 3 Stunden gebraucht. Ist mir wegen der ganzen Action gar nicht so lang vorgekommen. Am Ende der Schlucht ist ein Talkessel auf ca 2.100 m Höhe. Dort gibt es einige Hütten von Nomadenfamilien. Es erwarten uns schon 2 junge Frauen am Schluchtausgang und betteln um Kleidung und Nahrungsmittel.


Sie bekommen von mir ein paar Nudeln, Konserven und Süßigkeiten. Gewand hab ich leider keines zum Verschenken mit. Werde ich aber das nächste Mal mitnehmen, wir wurden oft nach Gewand und Schuhen gefragt. Aus dem Talkessel raus fahren wir weiter über eine schöne Bergpiste in Richtung Tounfite.


Wir suchen uns abseits von ein paar Dörfern einen Platz am Fluss für unseren letzten Abend in „Freiheit“.

Zumindest haben wir geplant, den Weg zur Fähre über die Königsstadt Meknès zu nehmen und in einer Stadt bleibt einem eh nix anderes über, als einen Campingplatz zu nehmen. Gut, manchmal kommt es anders als gedacht. Inklusive Polizeieskorte. Aber das ist eine andere Geschichte……


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