Mittagessen in Bab Taza

Wir sind jetzt schon den 2. Tag in Marokko und haben schon viel erlebt. Mal eine kleine Gschichte zwischendurch: Wir nehmen nicht die Hauptverkehrsroute nach Fès sondern fahren von der blauen Stadt Chefchaouen auf einer kleineren Straße in Richtung Königsstadt. Der Weg führt uns bergauf bergab durch den grünen fruchtbaren Norden. Sehr viel Landwirtschaft, teilweise werden die Felder noch mit Esel, Ochse und Muskelkraft bestellt, und viele Olivenhaine prägen die Landschaft. In 3,2 Std. reiner Fahrtzeit schaffen wir insgesamt 3.000 Höhenmeter und nur 103 km Stecke. Da kann man sich vorstellen in welch gutem Zustand die Straße ist….

Zu Mittag kommen wir durch ein kleines Dorf, das aus ein paar Häusern, ein paar Lokalen und ein paar Standln besteht. Überall ist der Griller eingeheizt und es duftet hervorragend nach Essen. Natürlich bleiben wir stehen, eine kleine Jause ist jetzt genau das Richtige. Den Laden, in den wir letztendlich einkehren, halte ich zuerst für eine Metzgerei, da verschiedene Fleischstücke und Tierhälften einfach so unter dem Vordach aufgehängt sind. Schnell wird mir aber klar, dass das ein Restaurant ist und das Fleisch für den Tagesgesbedarf direkt in der Küche, also neben dem Griller auf der Veranda, aufgehängt ist. Die Kunden kommen hin, sagen dem Koch was sie wollen, der schneidet das gewünschte Fleischstück runter und schmeißt es auf den Grill. Wir werden gleich mit einem großen Hallo empfangen, der sehr nette Kellner (oder war das der Chef?) empfiehlt uns Koteletts. Wir ordern noch Tomaten, Zwiebel und eine scharfe Sauce dazu, setzten uns in die Sonne und sind gespannt, was wir bekommen.

In der Zwischenzeit trinken wir marokkanischen Tee (tja, was soll man machen, wenn’s kein Bier zum Essen gibt), grüner Tee mit viel Minze und vieeeeel Zucker. Sehr süß, aber sehr gut.

Das Essen kommt bald, wie sich herausstellten sollte perfekt gewürzte und gegrillte Lammkoteletts. Auch die Zwiebel und Tomaten sind gegrillt und das Brot frisch aufgebacken. Der Kellner stellt die Teller vor uns ab und wünscht uns einen guten Appetit. Besteck hat er keins mitgebracht. Wir schauen uns zuerst leicht verunsichert an, blöderweise ißt gerade keiner der anderen Gäste, die draußen sitzen, etwas, sodass wir „abschauen“ hätten können. Christian meint, das bringt er sicher noch. Aber dem ist nicht so. Natürlich weiß ich, dass die Marokkaner durchwegs auch mit den Händen essen. Aber ich hab mir das eher bei den Berberfamilien im Nirgendwo so vorgestellt, nicht hier in einem Lokal im zivilisierten Norden. Gut, macht nix, essen wir halt mit den Händen. Anfangs zwar etwas ungewohnt bei Tomaten und Zwiebel, bei den Koteletts gehts sowieso besser mit der Hand. Und: es ist richtig richtig gut!

Insgesamt zahlen wir knapp 10€ für 3 Portionen Fleisch ( ja, wir haben noch was nachbestellt), 2 Portionen Gemüse, 2 Kannen Tee und einen Kaffee.

Mittlerweile herrscht Hochbetrieb am Griller und es stellen sich einige Leute an, um ihr Essen zu ordern. Vorwiegend Männer. Außer einer alten Omi bin ich die einzige Frau in Lokal. Dann kommt auch schon Fleischnachschub geliefert, gleich im Kofferraum eines PKW.

Gestärkt machen wir uns weiter auf den Weg. Immer wieder winken uns Kinder und auch Erwachsene vom Straßenrand oder von entgegenkommenden Autos zu. Wirklich sehr freundlich hier die Leute. Welcome – Rufe hallen uns entgegen.

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