Albanien – das Abenteuer geht weiter

Nachdem wir in Burrel eingekauft und ein Bier getrunken haben machen wir uns auf den Weg zur nächsten Offroad Route. Diesmal aus dem Reiseführer der Pistenkuh. Die Route führt uns über die Berge von Klos nach Elbasan. Es ist später Nachmittag und der Plan (und die Hoffnung) ist, noch ein paar Kilometer zu fahren und dann den idealen Schlafplatz zu finden. Daraus wird vorerst mal nichts. Der Weg schraubt sich durch ein enges Tal langsam aber stetig nach oben. Immer ganz knapp am Abgrund entlang. Alle paar hundert Meter gekrönt durch Schrägfahrten, natürlich zum Abhang hin geneigt. Fahrfehler darf man sich da keinen erlauben. Höchste Konzentration ist gefordert. Aber der Dackl hat alles im Griff. Plötzlich mitten im Nichts ein kleines Dorf. Die wenigen Häuser schmiegen sich an den Berg. In einem Vorgarten wird gerade einem Schaf die Haut abgezogen. Schade, dass sie noch nicht weiter sind mit Schlachten, sonst hätten wir gefragt, ob wir ein paar Kotletts abbekommen können. Freundlich sind sie ja überall, die Leute. 

Ich wundere mich immer wieder, dass so mitten im Nichts, nur erreichbar durch holprige, beschwerliche Wege, Leute wohnen. Da is nix mit schnell mal was einkaufen gehen oder schnell mal eine Freundin auf ein Glaserl Prosecco treffen! Da bist du mal stundenlang unterwegs in den nächsten Ort, wo es Geschäfte gibt. So sehr ich die Ruhe und Einsamkeit unserer Übernachtungsplätze im Urlaub mag, aber das wär glaub ich nichts für mich. Wie gehst du da in die Schule? Wie lernst du als Jugendlicher einen Freund oder Freundin kennen? 

Nach dem kleinen Dorf kommen wir in dichtes Waldgebiet. Wieder keine Aussicht auf einen Schlafplatz, aber wenigstens keine Schrägfahrten mehr am Abgrund. Schön langsam werd ich nervös, es ist schon 18:00, wir sind müde und ich habe für heute genug. Auf der Karte werden die engen Höhenlinien bald etwas weiter. Vielleicht haben wir ja doch bald Glück und es tut sich eine Ebene auf. Und siehe da, nach wenigen hundert Metern zweigt ein Wegerl vom Hauptweg, der noch immer von dichtem Wald umgeben ist, ab, und führt auf ein kleines Plateu mit super Aussicht. Juhuuuu, der Schlafplatz ist gefunden! Zur Feier des Abends gibts ein Flascherl Big John zum Steak.



Als wir am nächsten Tag aus dem Wald rauskommen tut sich eine wunderschöne Almlandschaft auf. Wir kommen an riesigen verfallenen Gebäuden vorbei. Vermutlich eine ehemalige militärische Anlage. Es gibt wieder viel Fingerhut und verblühte Schneerosen. Weiter geht’s dann an einigen Schäferhütten vorbei. Überall stehen Heuschober, so wie man sie füher bei uns gesehen hat. 


 

Der Weg wird wieder holpriger und unsere Lenkung beginnt zu tscheppern. Der Weg ist schmal und es gibt keine Ausweichen. Nachdem wir gestern und heute aber kein einziges Auto getroffen haben, denken wir, es ist ja kein Problem, wenn wir kurz stehenbleiben und schauen woran das tscheppern liegt. Wir stehen gerade mal 3 Minuten und haben die Fettpresse ausgepackt zum Abschmieren des Lenkgestänges, schon kommt aus der anderen Richtung ein Auto. Gibts ja nicht. Es steigen 3 Männer aus, freuen sich uns zu sehen und wollen gleich Fotos machen. Es sind die Parkranger des Nationalparkes in d m wir gerade sind. Wir haben gleich Spaß miteinander, trinken Zirberl, Nuß und Rakí (alle Albaner haben immer und überall Rakí mit). Der Ranger sagt uns, dass es Rehe, Wölfe, Wildschweine und Bären gibt. Ich frage ihn nach den Schäfern und er meint, die wohnen das ganze Jahr dort oben. Also anders als im Lura Nationalpark. Aber ich kann mir das schon vorstellen, denn sie haben hier richtige Hütten und Steinhäuser und nicht nur einfach Verschläge aus Ästen und Plastikplanen. 

Weiter geht’s durch schöne Berglandschaft, vorbei an ein paar Bergseen und einer Abzweigung zu einem Schigebiet. Plötzlich geht die Schotterpiste in einen sehr alten, handgepflasterten Weg über. Sehr rumpelig. Aber wahnsinn, was das für Arbeit gewesen sein muss. In der Antike gab es hier eine wichtige Handelsroute. Ob das wirklich schon alles sooo alt ist? Kann ich mir irgendwie vorstellen, Griechenland ist ja nicht mehr weit. 



Bevor wir in Elbasan ankommen sehen wir zwei riesige, schöne Weingüter. Wir werden unbedingt den albanischen Wein mal versuchen. Elbasan ist eine schicke Großstadt mit einer alten Burg, Einkaufsstraßen, vielen Beiseln und Cocktailbars. Nur Fleischer finden wir keinen. Gibts ja nicht. Wir fragen in einem Reisebüro, da wir uns denken, die junge Dame dort kann bestimmt englisch. So ist es auch. Nur weiß sie sich nicht, wo es einen Fleischer gibt. Das Fleisch im Supermarkt zu kaufen, davon rät sie uns ab, wenn wir gute Qualität wollen. Wo sie denn ihr Fleisch kaufe, frage ich? Bei Bekannten etwas außerhalb. Sie telefoniert mal kurz, aber ihre Fleischconnection ist leider nicht da. Wir streunen weiter durch die Stadt und als es mir zu mühsam wird frag ich einfach wieder in einen kleinen Laden rein. Die Leute dort kennen einen Fleischer, nicht weit weg. Als ich nach der Wegbeschreibung anscheinend schaue wie ein Autobus begleiten uns Oma und Enkeling die rund 800 Meter zum Geschäft. Voll nett! Wir sind glücklich und bekommen alles, was wir wollen. Nachdem es schon spät ist suchen wir eine Taverne außerhalb zum Essen und fragen, ob wir dort dahinter auch gleich schlafen können. Alles kein Problem. Das Essen ist reichlich und gut, nur die nacht ist ein bisschen Laut.

Am nächsten Tag hab ich mal genug von der ganzen Offroad Rumpelei. Ich will ein Chilliges Platzerl, wo man mal ein bisschen entspannen kann. Der Dackl sieht das auch so. Für ihn ist die ganze Fahrerei ja noch viel anstrengender als für mich. Wir haben einen Geheimtipp für einen kleinen Strand bekommen. Das kommt gerade recht, da wollen wir jetzt hin. Auf der Karte gibt es einen Weg dort hin und auch das Navi empfiehlt den selben Weg. Auf geht’s, kann ja nicht so schwer sein. An besagter Küste angekommen biegt der Weg schon recht dubios mitten im Dorf über eine Wiese den Hang hinauf ab. Gut, wir müssen auf die andere Seite des Horns. Der Weg ist ziemlich wild, aber es gibt Traktorspuren. 

Wir kommen an Feldern und ein paar alten Punkern vorbei, dann wird der Weg teilweise ziemlich wild und eng zugewachsen. Aber wir kommen noch durch. An einer Weggabelung kommt uns plötzlich alles komisch vor. Wir müssten steil rechts hinauf abbiegen. Der Weg ist sehr ausgewaschen und schaut nicht befahrbar aus. Wir gehen mal schauen. Nicht weit oberhalb endet der „Weg“ an einem Ziegengatter. Hmmm. Also kein Durchkommen zum Strand. Ratlos schauen wir auf die Karte. Ja, es gibt schon noch Wegerl, die in der Nähe der Ziel-Koordinaten rauskommen. Umdrehen, anderen Weg probieren. Die Richtung ist vielversprechend, dann eine spitze Abzweigung nach links. Kaum mit dem Bremi zu schaffen und total dicht verwachsen. Aber ich bilde mir ein, Spuren gesehen zu haben. Diesmal sind wir nicht so schlau, vorher nachschauen zu gehen und stecken nach 200 Meter im Dickicht fest. Gefahren ist da schon laaaange niemand mehr. Sch…. Wie kommen wir da wieder raus? Zum Glück lichtet sich da dickicht bald und es gibt einen dicht  mit Farn bewachsenen Platz. Da können wir umdrehen. 



Nach eingehenden Studium der Karte kommen wir zu dem Schluss, dass wir dort, wo wir vorher umgedreht haben, hätten weiterfahren sollen und dass es nach 2 weiteren Anzweigungen dann zum Strand gehen muss. Sonst sehe ich keine weitere Möglichkeit mehr. Also wieder alles retour. Kurz nach besagter Stelle schraubt sich plötzlich ein Weg den Hang hinunter. Zwar nicht der auf der Karte, aber eindeutig in Richtung Meer. Natürlich probieren wir diesen voller Hoffnung. Aber schon wieder Fehlanzeige. Der Weg Endet bei einer kleinen Hütte weit oberhalb des Meeres. Außer Hunde und Schweine ist aber niemand zu Hause und wir kehren um. 



Gut, dann doch der Weg, der auf der Karte bis ganz runter führt. Tatsächlich haben wir beim vierten Anlauf Glück und der Weg führt runter bis zum Strand. Ein paar Fischerboote stehen direkt bei der Abfahrt in der Bucht. Ein Stückchen nach rechts halb durchs Wasser und über einen Baumstamm, an dem der Fischer sein Boot festgemacht hat, dann kommen wir zu unserem kleinen privaten Sandstrand. Es liegt einiger vom Meer angespülter Müll herum. Wir haben schnell einen Müllsack ausgepackt und ein bisschen zusammengeräumt. Jetzt ist es perfekt. Wir werden mit einem blutroten, wunderschönen Sonnenuntergang belohnt. Wir beschließen ein paar Tage zu bleiben. Wirklich seeeehr chillig hier. 





Hin und wieder fährt draußen ein Fischerboot vorbei, zwei, drei Leute spazieren den Strand entlang. Sonst keine Menschenseele. Außer ein Schnorchler, bewaffnet mit einer Stange. Er geht auf Oktopusjagt. Als er nach 3 Std zurückkommt hat er doch eine beträchtliche Menge Oktopussi aufgefädelt. Wir gehen zu ihm rüber. Wollen natürlich unbedingt frischen Oktopuss haben. Ein junger Mann, anfang Zwanzig. Leider versteht er kaum ein Wort englisch oder italienisch. Aber mit Händ und Füss kann man sich immer irgendwie verständigen (oder glaubt zumindest zu verstehen, was der andere meint). Er schenkt uns 3 Tiere seines Fanges und nimmt sie auch noch für uns aus. Sehr spannend, wusste ich bis jetzt nicht, wie das geht. Geld will er keines, Bier auch nicht, aber ein Cola nimmt er wenigstens. 

2 Std später liegen die Oktupussi am Grill. Danke lieber Fremder, für das gute Abendessen! 





Nach 3 Nächten an diesem schönen Platz sind wir tiefenentspannt und wieder gierig auf eine Offroad Tour. Und wir finden einen ganz anderen Weg zurück, der uns in null coma nix wieder zur Hauptstraße bringt. Hätten wir das blos früher schon gewusst……

 

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