Wildes Albanien – Lura Nationalpark

Als wir in den Urlaub starten sind wir schon ganz wild aufs Offroad-Fahren. Und Offroad-Fahrspass gibt es in Albanien wahrlich genug. Sind doch oft sogar Straßen, die in der Karte als normale, breitere Nebenstraßen gekennzeichnet sind die wildesten Schotterpisten. Wir wollen als erstes, nachdem wir uns in Shkoder mit Bargeld und Datenkarte ausgestattet haben, in den Lura Nationalpark und dort die 7 Bergseen erkunden. Wir wissen nicht genau, ob man mit dem Auto hinkommt aber wir sind abenteuerlustig und wollen es versuchen. Obwohl ich es besser wissen sollte, denke ich am Anfang noch, dass wir die 50 km von Rreshen nach Lura ja wohl in 1 1/2 – 2 Std. schaffen würden. Doch natürlich beginnt bald die Piste. Anfangs noch Höchstgeschwindigkeit 20 km/h später wird das deutlich weniger. Am Wegesrand riecht es voll gut nach Kräutern drum bleiben wir kurz stehen um zu sehen, ob das wilder Thymian ist. Dann lässt sich plötzlich das Auto nicht mehr starten. Na super. Wir stehen mitten auf dem einspurigen Weg und niemand kann vorbei. Nicht dass besonders viel Verkehr wäre, aber hin und wieder kommt schon ein anderes Auto (in den 60 km haben wir ca 10 Autos gesehen). Der Starter tut einfach nix. Vorher, beim Fahren haben wir schon bemerkt, dass irgendwas mit der Ladung nicht ganz stimmt und diese zw. 12,5 und 13,5 Volt schwankt. Hinter uns kommen 2 Autos. Wir versuchen mit vereinter Kraft, den Bremi ein Stücken anzuschieben, damit er wieder anspringt. Geht natürlich nicht, bei dem Gewicht das wir haben…. Zum Glück war das Fahrzeug, das direkt hinter uns zum Stehen kam ein Pickup, der stark genug war, uns mit unserer hinteren Seilwinde ein Stücken nach hinten anzuschleppen und schon läuft der gute Bremi wieder! Bei einer Ausweiche bleiben wir stehen (wohlweislich mit laufendem Motor) und rufen mal den Mechaniker an. Der meint, der Starter könnte kaputt sein, aber er glaubt, die Lichtmaschine sei kaputt und daher bekommt der Starter zu wenig Strom (oder so ähnlich, ich kenn mich technisch null aus). Hhmm Lichtmaschine kaputt am 1. Tag in Albanien – nicht gut. Können wir auch fast nicht glauben, denn die ist relativ neu.

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Was machen? Natürlich weiterfahren. Monentan ist alles nicht so schlimm, das Solar am Dach ladet ja noch rein, wenn wir stehen. Aber es ziehen Regenwolken auf. Und der Starter geht nach wie vor nicht. Wir kommen in ein kleines Dorf, in einem Tschecherl sitzen ein paar Männer. Wir gehen hin und fragen, ob es ihr einen Mechaniker gibt. Zufällig ist einer davon einer. Er kommt mit zum Auto, schaut kurz und lässt sich das Problem schildern. Zum Glück kann er sehr gut Italienisch. Er meint es seien die Kohlen der Lichtmaschine zu abgewetzt, drum bekommen wir keine Ladung. Hört sich ja irgendwie logisch an. In diesem Ort könne man das aber nicht reparieren, dazu braucht man einen Autoelektriker. Die gibt es in Rreshan oder in Peshkopi. Wo wir denn hinwollen? Wir erfahren, dass man von Lura aus nach Peshkopi weiter fahren kann (zumindest mit unserem Auto), obwohl das in der Karte nicht gleich so ersichtlich ist. Also fahren wir weiter. Ist besser als zurück.Der Weg wird holpriger, die Gegend rauher. Aber zwischendurch wieder ein paar Häuser.

Als wir in Lura ankommen, glauben wir, das sei das Ende der Welt. Kurzer Lagecheck, es ist schon Abend und wir waren ca 5 Std unterwegs. Die Auffahrt zu den Bergseen ist schnell gefunden. Kurz nach der Abzweigung treffen wir ein französisches Pärchen. Sie sind zu Fuß unterwegs und erzählen, dass sie sich auf der Seen-Route eine Feder beim Landrover gebrochen haben. Aber man kann fahren. Schon mal gut zu wissen. Und wir sollen vorsichtig sein, der Weg nach dem See ist sehr gefährlich, nah am Abgrund, ausgewaschen und große Steine. Aha. Für Christian mal wieder überhaupt keine Abschreckung. Wir fahren also rauf. Sind nur 7 km. In gut einer halben Std haben wir es geschafft und kommen bei einem großen See, halb eingebettet in ein Bergmassiv, raus.

Landschaftlich wunderschön, ruhig, keine Menschenseele zu sehen. Wir beraten, wie wir uns am besten hinstellen, damit wir einigermaßen gerade schlafen können, aber eben morgen den Bremi anrollen lassen können zum Starten. Der ideale Platz ist bald gefunden, die Angel ausgeworfen, das Steak am Grill, der Wein entkorkt. Es wird etwas kühler, immerhin sind wir auf 1.750 Meter. Der Sternenhimmel ist fantastisch, unglaublich viele Sterne und die Milchstraße ist deutlich zu sehen.Morgen ist Freitag und wir wollen relativ früh aufstehen, damit wir noch eine Werkstatt erreichen. Ich rechne damit, dass wir für die 40 km nach Peshkopi ca 5-6 Std brauchen werden. In der Zwischenzeit haben wir den Kühlschrank ausgeschaltet und kein Licht gemacht, um Strom zu sparen. Christian hüpft um 7:00 in der Früh wie von der Tarantel gestochen aus dem Bett (gaaanz ungewöhnlich für ihn) und meint, er habe die ganze Nacht nicht geschlafen und über das Bremi Problem nachgedacht. Das was unsere beiden Mechaniker gemeint haben ist nicht logisch. Er schraubt den Batteriekasten auf (ist einiges an Aufwand mit Einstiegstreppe abbauen usw) und siehe da, der Fehler ist gefunden. Das Plus-Kabel von der Starterbattetie hat sich vom Pol gelöst. Das war relativ schnell wieder repariert, der Tag ist gerettet und wir können noch an dem schönen Platzerl bleiben. Ein ruhiger schöner Tag.

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Einmal kommt ein junger Bursch vorbei, der mit seiner Mutter zum Schwarzbeerbrocken hier heroben ist. Er kann ein paar Brocken Englisch und Deutsch, er sagt, er arbeitet in Deutschland. Er findet seine Heimat schön, die albanische Politik aber weniger. Er erzählt uns, dass es hier vor 10 Jahren noch viel schöner war, bevor ein (wohl gelegter) Waldbrand viel der Kiefernbaumbestände vernichtet hat.Später kommt noch eine Familie vorbei, die einen kurzen Ausflug zum See zum Baden macht. Einer davon kann gut Englisch. Er meint, nach dem letzten der 7 Seen kann man nicht mehr weiterfahren. (das hab ich auch schon gelesen, dass von Süden her kein Durchkommen zu den Seen ist). Christian versucht noch mal sein Glück beim Fischen. Es beißen aber nur ein paar Minifischerl. Das Wetter ist nicht ideal, zu windig. Am nächsten Morgen geht immer noch ein kräftiger Wind und wir beschließen, die anderen Seen zu erkunden. Der Weg ist anfangs gar nicht so schlecht. Wir kommen an den Seen vorbei, aber an keinem so ein guter Stellplatz, dass wir unbedingt bleiben wollen. Also weiter. Spuren gibt es noch (was mich beruhigt). Das Auto ist wieder fit, das Bier ist wieder kalt, wir sind abenteuerlustig und probieren ob es weitergeht, obwohl uns davon abgeraten wurde. Der Weg wird extremer. Tiefe Auswaschungen, die Bodenfreiheit erfordern, schlammige Passagen, grobe Steine. Ein paar Schrägfahrten, natürlich zum Abhang hin, die ich besonders liebe! Ich weiß, dass der Bremi 16 Grad Neigung leicht aushält, aber wenn gleich neben dir der ungesicherte Abhang weit weit runter geht und in der Schräge dann auch noch ein Loch oder Stein ist, an dem sich der Bremi dann noch mal aufschaukelt, das ist nix für meine Nerven….

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Über einen Wiesenhang hinauf kommen wir zu einer Ziegenhirten Siedlung. Die Baracken sind aus Baumstämmen und Plastikplanen gebaut. Kurze Verwirrung in der Navigation. Es gibt viele Spuren und Wege, nur nicht den, der in der Karte ist. Wir sind uns kurz uneinig, wie wir weiterfahren sollen. Es kommen 2 der Hirten und begrüßen uns. Wir sollen doch auf einen Kaffee rüber kommen. Gut, schon waten wir durch zentimeter dicke Ziegenscheiße zum Vorgarten ihrer Hütte. Wir bekommen Ziegenbuttermilch (gar nicht mal so schlecht), Kaffee und Rakí (auch nicht so übel). Sie bekommen natürlich Zirberl von uns. Der eine kann ein bisschen Italienisch. Er hat wie viele Albaner mal in Italien gearbeitet. So können wir uns ein bisschen verständigen. Sie sind 3 Monate im Jahr auf der Alm. Die Milch wird regelmäßig ins Tal geführt (muss dann wohl auch schon Buttermilch sein, bei dem gerüttelt auf diesen Wegen). Sie selbst machen nur etwas Käse und Buttermilch für den Eigenbedarf. Und Bienenstöcke haben sie auch viele. Ein schönes Platzerl haben sie, auch hier gibts einen kleinen See.

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Nachdem wir uns den Weg erklären haben lassen, wir sollen lieber nach Burrel fahren, nicht nach Peshkopi, brechen wir auf. Der Weg ist extrem aber fahrbar. Einmal muss ich sogar eine Schräglage von 23 Grad (!) aushalten. Zum Glück zwar ohne Abgrund daneben, aber trotzdem bin ich leicht panisch. Ca 10 km bevor wir wieder auf eine, laut Karte, Hauptverkehrsroute kommen, kommen wir an einem kleinen Bergwek vorbei.Wir suchen einen Schlafplatz, bevor wir wieder auf die „Hauptstraße“ kommen und finden ein nettes, verstecktes Platzerl neben einem Bacherl ca 100 Höhenmeter unter dem Bergwerk. Dort blüht Fingerhut und wilde Pfefferminze. Es gibt einen schönen Ausblick in die Berge.

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Wir grillen und machen ein Lagerfeuer, plötzlich rennen 4 Hunde ganz aufgeregt herum, bellen und nehmen Fährte auf. Immer wieder kommen sie ganz aufgeregt vorbei, sonst hört man sie aus der Ferne bellen. Wir vermuten, dass ein Jäger ein Tier (Wildsau?) angeschossen hat und die Hunde es nun versuchen zu finden. Kurze Zeit später hören wir auch einen Schuss. Am nächsten Morgen kommen die 2 Typen, die wir beim Bergwerk gesehen haben bei uns vorbei, einer ein Gewehr umgehängt. Sie suchen einen der 4 Hunde, der gestern nicht mehr nach Hause gekommen ist. Die 2 sind aus der Türkei und erzählen uns, dass das „Bergwerk“ eine Chrommiene ist und sie beide ganz alleine die Miene betreiben. (später in Elbasan haben wir große Chrom Fabriken gesehen). Wir frühstücken fertig, packen zusammen und machen uns auf den Weg in die Zivilisation zum Vorräte auffüllen.

 

 

 


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