Georgien – die Heerstraße, die Steingesichter und das Truso Tal

Die Heerstraße ist die einzige Verbindung zw. Russland und Georgien und ist daher die Fernstraße auf der sich der gesamte LKW Verkehr abspielt. Sie durchquert den großen Kaukasus und erreicht am Kreuzpass eine Höhe von 2382 m.

Die Route wurde von Soldaten und Händlern seit Jahrtausenden benutzt. Die russische Armee baute den Weg während des 5. Russischen Türkenkrieges für den Transport ihrer Truppen zu einer Straße aus.

Wir übernachten am Aragvi Stausee unterhalb der Ananuri Festung. Schon am Weg dorthin stehen hunderte LKWs am Straßenrand und warten, bis sie weiterfahren dürfen.

Die Festung, von der nach der Flutung des Tales nur mehr die Oberburg erhalten ist, stammt aus dem 17. Jahrhundert und beherbergt auf kleinem Raum 2 Kirchen, einen Glockenturm, einen Wehrturm, ein Badehaus und 2 Wirtschaftsgebäude.

Stau entlang der Heerstraße – das Chaos ist praktisch vorprogrammiert. Die Festung Ananuri drohnt über dem Stausee.

Die Straße ist nicht gerade in gutem Zustand. Sehr viele Schalglöcher und ausgefräste Stellen (die wohl bald hergerichtet werden?), manchmal ist auch ein Teil der Straße einfach weggebrochen. Oft ist nur eine Fahrspur frei, weil die andere (in unsere Fahrtrichtung) von hunderten stehenden LKWs blockiert ist. Das macht aber anscheinend nichts, gefahren wird trotzdem in beide Richtungen. Es wundert mich, dass alles gut geht, denn alle fahren natürlich wie wild. Überhohlen wenn eh fast kein Platz ist und trotzdem jemand entgegen kommen könnte – für alle kein Problem.

Die Straße folgt einige Zeit der Aragvi, einem breiten Fluß. Überall wird Rafting angeboten. Am Ufer gibt es viele kleine Lokale. Die meisten sind gerade damit beschäftigt wieder alles für die Sommersaison herzurichten.

Die Serpentinen schlängeln sich hinauf richtung Kreuzpass. Immer wieder stehen LKWs mit überhitzten Bremsen auf der Gegenfahrban. Auf knapp 2.200 m liegt das Skisportzentrum Gudauri. Er ist mehr eine Ansammlung von Häusern und Hotels die über die Hügel verstreut sind. Moderne Hotelanlagen stehen neben alten kleinen Guesthouses und verfallenen Gebäuden.

Gleich nach Gudauri, kurz vor dem Kreuzpass, befindet sich eine große Aussichtsplattform, die einen schönen Rundumblick auf die wunderbare Bergkulisse des großen Kaukasus bietet.

Nach dem Pass stürzt sich die Straße wieder in scharfen Kurven in die für ihre Steinschläge und Lawinen berüchtigte Bajdur-Schlucht. Aus diesem Grund wurden entlang der Straße einige Betontunnel gebaut. So ist der Pass auch im Winter durch die finsteren, einspurigen Röhren, ohne Beleuchtung oder Belüftung, dafür mit unzähligen Schalglöchern, befahrbar. Wir sind froh, dass die Straße bereits frei ist (wenigstens mal eine in dieser Höhe) und uns die Fahrt durch die Tunnel erspart bleibt.

Neben der Sraße erstrecken sich über einige Kilometer die finsteren Tunnel. Man sieht jetzt teilweise noch den meterhohen Schnee der Lawinen, die sich im Winter über die Tunnel ergießen und die Straße versperren .

In Stepantsminda finden wir ein chilliges Lokal mit Blick auf den 5.047m hohen Kasbek und die Dreifsltigkeitskirche aus dem 14. Jahrhundert.

Wir brauchen noch einen Schlafplatz und versuchen unser Glück im Sno – Tal. Nachdem wir durch ein paar kleine Dörfer gefahren sind, tut sich ein Seitental mit einem kleinen Flüßchen auf. Wir fahren ein Stückchen rein und schon haben wir unseren Nachtlagerplatz gefunden. Es ist ziemlich frisch, aber am Lagerfeuer lässt es sich mit ein, zwei Gläschen Cognac (vom Markt in Kobuleti) doch noch gut aushalten.

In der Früh lacht die Sonne vom Himmel, man hört nichts außer das Rauschen des Bacherls und das Zwitschern der Vögel. Herrlich. Wir sind neugierig und fahren weiter ins Tal hinein. Auf der Karte sieht es so aus, als würde es einen Weg geben, der dann über den Berg wieder zur Heerstraße führt. Wir denken uns aber schon, dass das aufgrund von zu viel Schnee sicher noch nicht gehen wird. Wir kommen viel weniger weit als gedacht, die Lawine versperrt uns schon nach ein paar hundert Meter den Weg.

Am Rückweg durchs Sno – Tal machen wir Halt bei den Gesichtern aus Stein. Ein lokaler Künstler hat auf der Wiese vor dem Dorf große Felsbrocken aufgestellt und ihnen Gesichter von georgischen Dichtern und religiöser Figuren gegeben. Wir haben Glück, er kommt gerade mit seiner Flex in der Hand, als wir Fotos machen. So können wir ein paar Worte mit ihm wechseln.

Christian und der Künstler neben dem Jesus-Gesicht aus Stein.

Nach einem ausgezeichneten Mittagessen  machen wir uns auf den Weg ins Truso Valley. Es geht wieder mal entlang einer steil abfallenden Schlucht mit schönen Felsformationen bis sich das Tal weitet und überall Mineralquellen den Hang herunter fließen. Das Wetter schlägt um, es wird bewölkt, der Wind geht ziemlich und es schaut regnerisch aus. Wir beschließen, nicht ganz bis zum Ende zu fahren, sondern am Fluss bei einem Platzerl mit schönem Ausblick zu bleiben.

Die Felsformationen und Farben der Mineralquellen sind einzigartig! Man kann sich kaum satt sehen.

Wir hatten wohl noch nicht genügend Wasserdurchfahrten, denn Christan muss trotzdem noch unbedingt einmal durch den Fluß fahren, obwohl das gar nicht mehr nötig gewesen wäre. Anfangs schaut das alles noch recht harmlos aus, doch dann wird es plötzlich tief! Wir sinken mit der Schnauze des Bremi so richtig ab und man kann die starke Strömung des Terek spüren. Ich halte wieder mal die Luft an. Als wir am anderen Ufer sind schauen wir die Brücke an. Über die können wir auf keinen Fall fahren, die schaut nicht so aus, als würde sie dem Gewicht des Bremi standhalten. Also zurück auf dem selben Weg…

Wir sind optimistisch und sammeln Feuerholz, aber bald schon beginnt es zu regnen und aus dem Lagerfeuer wird nichts. Es wird ziemlich kalt und in der Nacht schneit es. Da die Wetterprognose für die nächsten Tage so eisig bleibt, wird es Zeit in andere Gefielde aufzubrechen…


4 Gedanken zu “Georgien – die Heerstraße, die Steingesichter und das Truso Tal

  1. Einfach nur GEILO🙌🍀👍😄❗️
    Schön bei euch this way dabeizusein!!! Ein herrliches & anstrengendes warm-up für die Mongolei 🇲🇳 😄.
    Freu mich schon soooooooo auf euren Live-Bericht. Warte am 12.6. ab 06 Uhr früh vor eurer Türe😊.
    Bussis & gute Heimreise,
    euer euch sooo viel liebender Schlappo♥️🍀💘😘😄❗️

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  2. Hey, eure Expedition scheint ja kein Ende zu nehmen. Um all das verarbeiten zu können brauchsts ja ein Jahr. Die Steingesichter z. B. sind phenomenal, darüber werden sich später einmal und da meine ich in ein paar hundert Jahren, die Wissenschaftler den Kopf zerbrechen über Sinn und Zweck dieser Skulpturen, die ja wie denen auf den Osterinseln gleichen. Den Fluss „Terek“ kenne ich übrigens nur vom Kreuzworträtsel. Es ist einfach alles nur faszinierend. Weiterhin gute Fahrt vor allem auf schiachn Straßen und bei div. Flussdurchfahrten. Karl

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