Freitag der 13. – oder: die Horrorheimreise

Die Pechsträhne hat schon ein paar Tage vorher angefangen, als sich Christian an der Schulter verletzt hat. Band gezerrt oder gar gerissen – man weiß es nicht so genau. Trotzdem lassen wir uns dadurch nicht die letzten Urlaubstage vermiesen und genießen die Tage an unserem Lieblingsstrand. In der letzten Nacht kommt auf einmal der Sturm. Draußen fliegen schon alle Sachen herum, sodass wir in der Nacht aufstehen und zusammenräumen müssen. Als wir genüsslich bei unserem letzten Proseccofrühstück am Strand sitzen, immer wieder einen besorgten Blick zur Abspannung der Markise, fährt eine heftige Böe unter die Markise und, so schnell können wir gar nicht schauen, wird sie senkrecht nach oben gefetzt. Die Aufhängung ist komplett verbogen und eine der Alustreben abgerissen. Mit großer Mühe gelingt es uns bei dem immer noch sehr starken Wind, die Markise wieder runter zu biegen und zusammenzufalten. Verdammt.

Ein paar Stunden haben wir noch, bevor wir zur Fähre aufbrechen müssen. Dann eben ohne Schatten. Die Fähre fährt über Nacht. Wir haben so geplant, dass wir vom Strand gemütlich zum Hafen in der Hauptstadt Chios fahren und dort noch gemütlich Abendessen können. Daraus sollte aber nichts werden. Als wir zusammenpacken und fertig zur Abfahrt sind, bekommen wir das Dach vom Auto nicht zu. Das darf doch wohl nicht wahr sein!

Die Halterungen der Markise haben sich so verbogen, dass sie das Dach blockieren. Christian versucht das irgendwie weg zu biegen, aber keine Chance, das Metall ist zu massiv. Zum Glück ist mein guter Mann immer sehr einfallsreich, wenn es darum geht, Lösungen für Probleme zu finden. Und zum Glück gibt es hinten am Strand ein paar Bäume. Also fahren wir ganz langsam mit offenem Dach zum nächsten Baum und schon wird die Markise mit 2 Ratschengurten an den Baum geratscht, in der Hoffnung, dass wir die Halterungen so weit wegbiegen können, dass wir das Dach zu bekommen. So einfach ist das alles leider nicht. Ich habe mich zwischendurch schon heimfliegen und Christian und den Bremi auf Chios zurücklassen sehen. Aber nach gut 2 Stunden Arbeit (wir mussten noch die Markise auf der anderen Seite abmontieren, da durch die Schräglage, die der Bremi durch das an den Baum Ratschen hatte, nun diese das Dach blockiert hat) haben wir es geschafft und wir sind abfahrbereit. Aus dem geplanten entspannten Abendessen ist dann ein sehr hektisches geworden, aber immerhin, wir haben was zu Essen bekommen und die Fähre erreicht.

Am nächsten Tag um 6 Uhr in der Früh – es ist Freitag der 13., aber Pech hatten wir ja gestern schon genug, könnte man meinen – erreichen wir den Hafen von Piräus und die Fahrt nach Norden durch Griechenland verläuft soweit ganz ok. Die Brände sind gelöscht, dort und da sieht und riecht man die Auswirkungen der verheerenden Feuer der letzten Woche(n). Um die Mittagszeit machen wir einen Stopp für ein griechisches „Abschiedsessen“ und bald darauf kommen wir ohne gröbere Verzögerungen über die Grenze nach Nordmazedonien. Soweit so gut, noch schnell ein Tankstopp (natürlich bei Shell) nach der Grenze und dann auf nach Niš in Serbien, das wir uns für heute als Ziel gesetzt haben.

Doch keine 1,5 km nach der Tankstelle stirbt auf einmal das Auto mitten auf der Autobahn ab und lässt sich nicht mehr starten. Das gibt´s doch alles nicht! Wir konnten noch an den Rand fahren, stehen aber recht ungünstig am Ende einer Autobahnauffahrt. Ob wir falsch getankt haben? Wir sind uns ziemlich sicher, dass das nicht der Fall ist und nach einer kurzen Kontrolle steht fest – ja, wir haben eh Diesel im Tank! Na gut, dann rufen wir halt den ÖAMTC an, wozu haben wir denn einen Schutzbrief. In der zuversichtlichen Erwartung, dass dann gleich ein Abschleppdienst kommt und die (hoffentlich) Kleinigkeit schnell repariert sein wird, greift Christian zum Hörer. Leider glänzt die Dame am anderen Ende der Leitung mit Inkompetenz und schafft sie es nicht, trotz genauester Angaben (inkl. Koordinaten) herauszufinden WO wir uns befinden. Nach 25 min. sinnlosem Telefonkostenverschwenden platzt mir der Kragen und ich sage ihr, sie soll einfach den nordmazedonischen Pannendienst verständigen, DIE finden uns mit 100%iger Sicherheit!

Was soll ich sagen, 3 Stunden herumstehen und warten in der Gluthitze auf der Autobahn an einer nicht besonders günstigen Stelle, nicht gerade ein Vergnügen. Der nordmazedonische Pannendienst hat kein so großes Abschleppauto, auf das er unseren Bremi mit seinen rund 4 Tonnen aufladen kann. Aber er bemüht sich, eines aufzutreiben (haha). Inzwischen schickt er einen Pannenfahrer, der uns Starthilfe geben will, da irgendwer in der Notfallskette das Problem falsch verstanden oder interpretiert hat. Aber nein, es ist nicht die Batterie, Strom haben wir mit unseren 3 Batterien schließlich genug. Christian meint, der Motor bekomme keinen Diesel. Hört sich so an, sagt er. Tja, was man(n) da so alles hören kann, bei einem Auto… . Unser guter Bremi hat ein Selbstdiagnosesytem. Da kann man mit irgendwelchen Blinkzeichen Fehler auslesen. Haben wir zwar noch nie ausprobiert, aber jetzt ist doch der beste Zeitpunkt dafür. Und es funktioniert wirklich. Der Blinkcode 8.1. sagt uns, dass wir ein Problem mit der Kraftstoffversorgung haben. Ha – das bestätigt Dackls Vermutung und Gehör. Noch mal versuchen wir dem Pannendienst vor Ort zu erklären, was der Fehler ist. Er hat noch immer kein Abschleppfahrzeug aufgetrieben. Vielleicht bekomme er morgen (!) eines aus Serbien. Mechaniker kann er auch keinen schicken, der das vor Ort repariert, das machen sie nicht auf der Autobahn. Sollen wir jetzt hier im Graben übernachten?? Das Auto hier ungesichert und alleine stehen lassen und mit dem Taxi in eine Ortschaft fahren, ist auch keine Option für uns.

Christian macht sich daher also ran, den Fehler selber zu beheben. Ich hab ein bisschen ein mulmiges Gefühl, als er auf seinem Stockerl stehend, halb im Motorraum drinnen liegt und Mechaniker spielt. Natürlich sind die Teile, an die er ran muss, eher auf der Fahrerseite. Die LKWs donnern vorbei, sodass unser ganzes Auto wackelt. Nach ein paar Telefonaten mit Pauli, dem Chefmechaniker, 20 Minuten Abdeckungen abschrauben und Fehler suchen, hat er ein loses Kabel gefunden – der Sensor beim Commonrail-System ist runtergehüpft. Kabel draufgesteckt, 10 Gebete gesprochen, versucht zu starten. JAAAAAWOHL! Sofort angesprungen. Schnell alles zusammengepackt und weiter geht´s.

Mit den 3,5 Std. Verzögerung schaffen wir es zwar noch über die serbische Grenze, aber nicht mehr an unser Etappenziel. Da wir ja leider nicht wie sonst im Bremi einfach irgendwo schlafen können (zur Erinnerung, das Dach geht nicht auf, bzw. auf vielleicht schon, aber dann nicht mehr zu), stehen wir vor der Herausforderung ein Quartier zu finden, bevor alles zu macht. Es ist schon nach 22 Uhr. Das Datenvolumen haben wir in Nordmazedonien aufgebraucht, jetzt hier was zu finden, ohne googlen zu können ist auch nicht so einfach. Wie schön ist doch das freie Datenroaming in der EU. Im Garmin Overlander Navi, das praktischerweise TripAdvisor offline gespeichert hat, finden wir ein Hotel. Wir kommen kurz vor 23:00 erschöpft und hungrig an. Zum Essen gibt´s leider nichts mehr, sie seien schon beim Zusammenräumen. Mist. Man kann sich nicht vorstellen, wie arm der Dackl schauen kann, wenn er hungrig und durstig ist. Also gut, eine Pizza können wir noch haben. In der Erwartung, dass uns eine Tiefkühlpizza serviert wird, nicken wir und bestellen Bier dazu. Überraschenderweise war die Pizza frisch gemacht und eine der besten, die wir in letzter Zeit gegessen haben. Das hat uns wieder ein bisschen milder gestimmt. Auch die Rechnung: 2 Pizzen, 3 große Bier und 1 Flasche guten Rotwein haben 24 € gekostet. Das Zimmer dagegen ist ein bisschen brutal, so richtig Balkan, aber was will man sich für 10 € pro Person schon erwarten. Es ist muffig, der Verputz blättert von den Wänden, der Balkon ist eine Müllhalde, für 10 Minuten kommt mal überhaupt kein Wasser aus der Dusche. Aber zumindest das Bett riecht frisch und nachdem der Dackl die Klimaanlage mit zwei Tritten „repariert“ hat, schlafen wir gut.

Früh am nächsten Morgen sind wir guter Dinge, dass wir Freitag den 13. und alle Probleme hinter uns gelassen haben, machen uns auf den Weg und sehen uns schon am Abend zu Hause auf der Terrasse einen Spritzer trinken. Da haben wir freilich noch nicht mit dem vielen Verkehr, der einen Stunde stop and go auf der Stadtautobahn durch Belgrad und den 4,5 Stunden Stau an der Grenze Serbien zu Kroatien gerechnet.

(gute Mine zu bösem Spiel im Grenzstau mit elektolytehaltigem Erfrischungsgetränk)

Als wir schon völlig fertig gegen 17:00 dann endlich in Kroatien sind, noch mindestens 3,5 Stunden Fahrt bis zur slowenischen Grenze vor uns haben und auch dort 6 Std. (!) Stau angesagt sind, ist für uns klar, dass wir es heute nicht mehr nach Hause schaffen. Also geht die Zimmersuche wieder von vorne los. Jetzt zwar mit Internet, aber dafür entlang der Route in Grenznähe alles ausgebucht. Zum Verzweifeln. Nach langem Suchen und Herumtelefonieren bekommen wir ein Zimmer im Hotel beim Schloss Trakošćan (unter anderen Umständen echt sehenswert) und treten die letzte Etappe am Sonntag um 5 Uhr in der Früh an.

Notiz an mich selber: fahre NIE WIEDER die Balkanroute mit dem Auto an einem Hauptreisewochenende im Sommer!!


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