Türkei – Anreise mit Hindernissen und Wild Camp am Tuz Gölü

Ein paar Tage später als gewollt brechen wir am 29. 4. auf. Es war, wie so oft, im letzten Abdruck beim Auto noch was zu richten. Kaum sind wir einen halben Tag unterwegs meint Christian, wir haben ein Problem mit der Kupplung. Sie geht fast leer durch.

Übernachtet haben wir bei einem netten Lokal an der Save in Serbien, das wir schon kennen. Hier gibt es geräucherte gebackene Forelle – wirklich überraschend gut!

Wir beschließen weiter nach Niš zu fahren und dort eine Werkstatt zu suchen. Der junge Mechaniker spricht zum Glück recht gut Englisch und meint, der Kupplungszylinder sei das Problem. Er schickt uns weiter zu einer offiziellen Iveco Werkstatt.

Wir kommen 2 Minuten nach Werkstattschließung dort an. Zum Glück gibt es einen hilfsbereiten Mitarbeiter, der uns aber sagt, dass auch sie den Zylinder nicht lagernd haben und diesen bestellen müssen. Das aber dann erst am Montag, denn die Werkstatt sei über das verlängerte Wochenende geschlossen. Auch in Serbien ist morgen am 1. Mai Tag der Arbeit und somit Feiertag. Das stimmt uns wenig glücklich. Er schickt uns weiter zu einer Hinterhofwerkstatt. Hier wird noch fleißig gearbeitet und ist der Chef Milan, sehr nett und hilfsbereit.

Es war Wasser in der Kupplung (ja wir fahren auch Wasserdurchfahrten) und hat Kupplungsfküssigkeit gefehlt.

Milan ist Mercedes Freak und spricht gut Deutsch, weil er mal in Deutschland gearbeitet hat. Er gibt uns noch die Artikelnummer des richtigen Kupplungszylinders mit, damit wir diesen auf dem Weg irgendwo besorgen können.

Fürs erste funktioniert die Kupplung wieder und wir machen uns auf den Weg Richtung Bulgarien.

An der Grenze, wie jedesmal in Bulgarien, haben wir Schwierigkeiten wegen unseres Kennzeichens, das wir vor 8 Jahren auf der Fähre von Tanger nach Genua verloren haben und von der italienischen Polizei damals als gestohlen ins Register eingetragen wurde. Wir haben das Kennzeichen (= Wunschkennzeichen) in Österreich nach einem Jahr Sperre zurückbekommen, da es ja nicht gestohlen war. Wir haben auch ein Schreiben der österreichischen Polizei dabei mit beglaubigter bulgarischer Übersetzung. Aber das hilft alles nichts, jedes mal gibt es endlose Diskussionen mit den bulgarischen Grenzbeamten. Diesmal treffen wir an der Grenze 2 österreichische Polizisten im Assistenzeinsatz, die uns helfen und versuchen zu vermitteln und wir dürfen schon nach 20 Minuten weiterfahren!

Weit schaffen wir es an diesem Tag nicht mehr und wir machen Zwischenstopp in Plovdiv, der zweitgrößten Stadt Bulgariens. Am Fluss Mariza finden wir ein nettes Lokal und einem relativ ruhigen Schalfplatz. Zum Nachtisch bestellen wir Gin Tonic. Das wird hier mit 10 cl Gin serviert – na bravo!

Am nächsten Morgen hat die Kupplung schon wieder keinen Druckpunkt. Leider auch hier am 1. Mai Feiertag. Wir kehren in einem kleinen Straßencafe zum Frühstück ein. Der Besitzer kann kein Wort Englisch, er versteht schon kaum, dass ich einen Tee möchte. Da spricht uns plötzlich eine Dame an, ob wir Hilfe brauchen. Sie hat 30 Jahre in der Schweiz gelebt und spricht perfekt Deutsch. Was für ein glücklicher Zufall. Wir fragen sie, ob es möglich ist, heute dieses Ersatzteil irgendwo zu bekommen. Sie erklärt dem Besitzer des Lokals unsere Lage und tatsächlich kennt er wen, der wen kennt, der einen KFZ Zubehör Laden hat und am Feiertag erreichbar ist. Er organisiert für uns, dass wir das Ersatzeil zu Mittag zu ihm ins Lokal geliefert bekommen.

Wir nutzen die Zeit und schauen uns die Altstadt von Plovdiv an. Die ältesten Siedlungsspuren im heutigen Stadtgebiet stammen aus dem 5. Jahrtausend v. Chr. Eine strategische Bedeutung erlangte die Stadt mit ihrer Lage an der wichtigen Römerstraße Via Militaris, die über die Balkanhalbinsel nach Byzantion führte. Die Römer bauten Straßen, öffentliche Gebäude, Tempel, ein Stadion und ein Theater.

Die Altstadt ist sehr gepflegt und schön restauriert. Hätten wir uns ohne das Kupplungsproblem sicher nicht angeschaut. Sie ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Nachdem wir das Ersatzteil haben, geht es weiter in Richtung Türkei. Dort finden wir sicher schnell eine Werkstatt, die uns den Zylinder einbauen kann.

Wir übernachten in der Nähe von Silivri am Marmarameer und gehen noch mal gut essen, bevor das Outdoor-Leben und -Kochen so richtig beginnt.

Der erste Tag in einem fremden Land ist immer ein bisschen stressig: Vorräte einkaufen, Wasser füllen, Sim Karte besorgen etc. Hier in der Türkei war es z.B. gar nicht so einfach die Maut für die Autobahn zu bekommen. Die Verkaufsstellen an der Grenze waren alle geschlossen. Wir wußten, dass man die Mautkarte in Postämtern kaufen kann. Wir waren in einer nicht gerade kleinen Stadt, aber es war sehr schwierig, dass wir uns mit den Postbeamten verständigen konnten. Sie machten den Eindruck, dass sie keine Ahnung hätten und konnten uns schon gar nicht irgendwie beraten. Englischkenntnisse gleich Null. Zum Glück kam uns ein Türke, der in Deutschland lebt, zur Hilfe!

Wir waren dann am Hafen auf einen Mittagssnack und wurden zum Glück gleich als Europäer identifiziert, die gerne Alkohol trinken und so wurde uns gleich ein kühles Bier angeboten, das dann zur Tarnung im Plastikbecher serviert wurde.

Das mit dem Bier oder Wein zum Essen sollte sich noch als echtes „Problem“ herausstellen. In sämtlichen Grillbuden, die wir bis jetzt so gesehen haben, gibt es das sowieso nicht. Nur in Restaurants in den wirklichen Touristenzentren gibt es Alkohol.

Auch in den Supermärkten ist Alkohol kaum zu bekommen. Wir haben einige verschiedene Supermärkte besucht und haben bis jetzt die Erfahrung gemacht, dass es nur bei Migros Bier und Wein zu kaufen gibt. Aber durchaus auch guten türkischen Wein!

Auf dem Weg zum Tuz Gölü hatten wir zwei schöne Übernachtungsplätze. Der Tuz Gölü, türkisch für „Salzsee“, ist mit 32,9 % Salzanteil einer der salzhaltigsten Seen der Welt. Der Salzsee hat keinen Abfluss und wird durch Niederschläge und Grundwasser gespeist. In den trockeneren Sommermonaten entsteht dann eine kristalline Salzschicht, die im Juli/August geerntet wird. Am See befinden sich drei Salzabbaufabriken. 70 % des konsumierten Salzes der Türkei stammen von hier.

Am nördlichen Zipfel des Sees angekommen entfernen wir uns gleich mal von der Straße und fahren die Feldwege entlang. Wir sehen den seltenen Wiedehopf, viele Störche, Schildkröten und ein paar Erdhörnchen.

Wir kommen bei einem alten aufgelassenen Friedhofshügel vorbei.

Dann fahren wir über den Damm.

Am anderen Ende des Dammes kommen wir bei einer der Salzabbaufabriken raus. Hier türmen sich unvorstellbare Salzhügel.

Bald schon haben wir auf dem Satellitenbild einen Weg zum See gefunden, von dem wir denken, dass er zu einem guten ruhigen Platz führt. Ich will unten nach links in südliche Richtung weiterfahren, bis zum vermuteten Ende des Weges.

Kurz bevor wir unten sind kommen uns zwei Männer auf einen Moped entgegen. Sie deuten uns, dass wir nicht weiter nach Süden fahren sollen, da das Militär dort Schießübungen macht. Englisch können sie nicht, aber wir können uns schon irgendwie verständigen. Wir stellen uns ans Ufer des hier bereits ausgetrockneten Sees. Die dünne weiße Salzkruste schimmert in der Abendsonne. Natürlich werden wir auch gleich von den beiden belagert. Der eine freut sich über ein kaltes Bier, der andere ist strenger Moslem und nimmt keines.

Am nächsten Tag werden wir von einer riesigen Schafherde geweckt, die laut blöckend und klingelnd den Berg runter kommt und direkt bei uns vorbei kommt.

Leider hab ich´s nicht mehr geschafft das Fliegengitter aufzumachen.

Später hören wir tatsächlich aus einiger Entfernung Detonationen, die auf die von den beiden Schafhirten angekündigten militärischen Übungen hindeuten. Wir sind neugierig und gehen in den ausgetrockneten See hinein, Richtung der schimmernden Salzkruste. Vom Ufer aus kann man nicht erkennen, ob weiter drinnen im See auch Wasser ist. Es spiegelt alles zu sehr. Je weiter wir hinein gehen, desto weicher wird der Untergrund. Plötzlich sinken wir ca 20 cm ein und stecken in schwarzem Schlamm fest. Zum Glück sind wir barfuß unterwegs, die Schuhe hätten wir wegschmeißen können.

Am Abend ist es relativ frisch, aber wir hatten einen schönen Sonnenuntergang. Die Hirten schauen wieder bei uns vorbei. Die Hirtenhunde sind beeindruckende Kangals mit Stachelhalsbändern. Natürlich freunden sie sich gleich mit dem Dackl an, da er ihnen Leckerlis gibt.

Morgen geht’s weiter zum Ihlara Tal…

Übrigens, die Kupplung funktioniert wie durch Zauberhand wieder einwandfrei!


Hinterlasse einen Kommentar