Türkei – Kappadokien: Selime, Ihlara Tal und Love Valley

Wir sind in Kappadokien angekommen. Hier ist es zwar sehr touristisch, was ja nicht so unseres ist, aber ein Muß, wenn man die Türkei bereist. 

Eigentlich wollen wir als erstes ins Ihlara Tal hinunter. Mit dem Bremi selbstverständlich. Wir haben in diversen Reiseberichten schöne Plätze direkt am Fluss gesehen. Aber ich finde keinen Einstieg. Auf der Karte habe ich schon ein paar Wege, die direkt zum Fluss gehen, und es schaut auch so aus, als könne man den Fluss entlang fahren. Am Satellitenbild sieht man den Bereich ums Ufer aber nicht genau, es ist zu verschwommen, wenn man zoomt. In Ihlara selber kommt man nirgends runter und der Weg unten ist nur ein schmaler Wanderweg. Als nächstes wollen wir es in Belisirma probieren. Aber die Straßen runter in den Ort ist wegen Steinschlag gesperrt. Wir müssten einen riesen Umweg fahren, um von der anderen Seite ins Tal zu kommen. Echter Mist! Nachdem es schon relativ spät am Abend ist, versuchen wir weiter Flußabwärts zumindest einen Platz für die Nacht zu finden. 

Wir landen schließlich in einem großen Park bei Kizilkaya, der offensichtlich sehr oft von den Türken für Picknick genutzt wird. Es gibt unzählige Feuerstellen und alles ist voll Müll. 

Wir verstehen ganz und gar nicht, dass die Türken, von denen ja bekannt ist, dass sie Picknick lieben, ihren Müll nicht mitnehmen können und sich hier wohl fühlen. Die Mülldiskussion hatte ich auch schon mit den Hirten am Tuz Gölü. Sie sind es gewohnt, einfach alles irgendwo hinzuschmeißen. Darauf angesprochen haben sie gesagt (mittels Handyübersetzer): „Hier ist es frei, hier kann man machen was man will“. Die Natur ist ihnen egal. Und sie verstehen nicht, warum ich demonstrativ alles was sie wegschmeißen, einsammle. 

Kaum haben wir unseren Platz im Park bezogen, bekommen wir schon gegrilltes Gemüse und Hendl herübergebracht.

Ich ärgere mich, dass ich den Weg ins Tal nicht gefunden habe und studiere noch mal das Video von expedVan und das Kartenmaterial. Plötzlich hab ich den Weg. Es ist auf einmal sonnenklar! Ich hab den Weg auch schon gesehen, als wir kurz nach Selime für ein paar Fotos angehalten haben. Er liegt auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht. Er ist mir aber viel zu breit vorgekommen und nicht so, wie ich mir einen kleinen, steilen Feldweg vorgestellt habe. Wie blöd!

Aber gut, dann geht’s halt morgen runter zum Fluss.

Bevor wir dann wirklich zum Fluß runter fahren, nutzen wir die Gelegenheit und schauen uns Selime an. Hier liegt ein großer und gut erhaltener Klosterkomplex, der Selime Kalesi genannt wird. Er ist in der für Kappadokien typischen Art in den weichen Tuffstein gehauen.

Wir gönnen uns einen Führer, der uns ein paar interessante Geschichten erzählt. Er selbst lebt in einem der 8 noch bewohnten Häusern direkt beim Kloster.

Zuerst führt er uns hinauf zur höher gelegenen Marienkirche. Von außen ein echt beeindruckender Anblick. 

Im Inneren gibt es noch alte Reliefs aus dem 8. oder 9. Jhdt., leider zum Teil schon zerstört, aber noch gut erkennbar. 

Überall reden sie hier davon, dass hier eine Star Wars Episode gedreht worden sei. Ich bin kein Star Wars Spezialist, aber meine Recherchen haben ergeben, dass die Türkei die Dreherlaubnis widerrufen hat. Worauf anhand der Fotos vom Drehteam, das vorab vor Ort war, die Selime-Kathedrale und die Gegend um Selime originalgetreu in Tunesien nachgebaut wurde.

Man hat auch Blick aufs Frauenkloster, das getrennt vom Männerkloster im gegenüberliegenden Berg liegt. Kommuniziert wurde mittels Brieftauben. 

Nach der Marienkirche geht es zum eigentlichen Klosterkomplex der aus dem 8. oder 9. Jahrhundert stammt. Das Kloster verfügt über eine große Küche mit einem Schornstein, einen Brunnen, eine Missionsschule, ausreichend Lagerfläche, eine Kirche, einige Kapellen und Wohnräume und einen Weinkeller. Die Kathedrale ist das bedeutendste Gebäude.

Als wir dann den Weg ins Tal runterfahren sehen wir, dass dieser gerade erst mal neu gemacht wurde. Daher ist er jetzt wahrscheinlich so breit. Unten ist ein großes Feld, auf dem aber nichts angebaut ist. So können wir ohne schlechtes Gewissen drüberfahren. Wir entschließen uns erstmals rechts abzubiegen und diese Seite zu erkunden. Und siehe da, hinter einer kleinen Kuppe erschließt sich der perfekte Platz. 

Hier gefällt es uns, wir haben ein tolles Panorama, es ist angenehm warm und ruhig, wir beschließen 2 Nächte zu bleiben.

Am nächsten Morgen werden wir recht früh von einem komischen ziemlich lauten Geräusch geweckt, das wir nicht zuordnen können. Es ist kein Traktor oder keine andere landwirtschaftliche Maschine. Was bitte könnte das sein? Obwohl es erst halb 6 Uhr ist, bin ich so neugierig, dass ich aufstehen und schauen gehen muss. 

Auf dem großen Feld werden gerade Heißluftballons aufgeblasen. Jetzt ist schlagartig alles klar. Der breit ausgebaute Weg, das große unbewirtschaftete Feld – auch hier hat das Geschäft mit den Ballonfahrten Einzug gehalten, das man sonst hauptsächlich aus der Gegend um Göreme kennt. 

Am Nachmittag machen wir eine Wanderung durch die Schlucht in Richtung Selime. In der steilen Felswand befinden sich unzählige Höhlenbauten und Felsenkirchen. 

Am Abend machen wir ein Lagerfeuer. Die Nachtigall singt für uns und auch die Frösche geben ein lautes Konzert.

Aber am allermeisten freut uns, dass Christian die Zwergohreule mit dem monotonen Ruftun anludern kann. Gestern Abend haben wir sogar zwei davon gesehen, aber hatten keinen Fotoapparat bei der Hand. 

Ein paar Tage später, am Berg der Götter, treffen wir Birdwatcher aus England, und sie sind begeistert von unseren Aufnahmen. Sie meinen, die kleinen Eulen seien sehr selten zu Gesicht zu bekommen, sie selber haben noch nie eine gesehen.

Nach diesen chilligen und doch ereignisreichen Tagen fahren wir weiter ins touristische Herz Kappadokiens, nach Göreme. Der Ort ist Zentrum des Göreme Nationalparks der zusammen mit anderen Felsendenkmalen von Kappadokien seit 1985 zum UNESCO Welterbe gehört. Geprägt wird die Landschaft um Göreme durch markante Tuffsteinformationen, die teilweise ausgehöhlt sind, die so genannten Feenkamine, für die diese Region vor allem bekannt ist.

Im 4. Jahrhundert wurden hier damals von Christen ganze unterirdische Städte angelegt. 

Was mir gut gefällt, ist, dass die „neue“ Ortschaft gut in die alte, skurrile anmutende Landschaft eingefügt wurde. Teilweise sind die alten Feenkamine restauriert und von den Hotels als Zimmer oder Appartmens genutzt. 

Wir haben uns Göreme bei Nacht gegeben. Sollte man gesehen haben! Es ist eine tolle Stimmung und alles wunderschön beleuchtet. 

Wir haben uns dafür entschieden, nicht im offiziellen Love Valley Areal zu schlafen, sondern gegenüber des Tales ein etwas ruhigeres Platzerl gesucht. Es spielt sich nämlich ganz schön ab hier. Quadtouren, Defendertouren, Pferde-und Kameltouren, das alles kann man hier buchen und es ist richtig viel los. Aber wie gut die Entscheidung war, sollte sich erst am nächsten Morgen herausstellen, als wir beobachtet haben, wie hunderte von Menschen mit Bussen hinaufgekarrt wurden, um das Heißluftballonspektakel anzuschauen. Als Stellplatz haben wir einen Platz oberhalb des  Love Valley mit gigantischer Aussicht auserkoren.

Das Love Valley ist wirklich ein bizarrer Anblick. Etwas Vergleichbares hab ich noch nie gesehen.

Die beeindruckenden Felsformationen sind das Ergebnis jahrmillionenalter Wind- und Wassererosion. Die Feenkamine bestehen aus Schichten weicher Vulkanasche und Tuffstein, die mit härterem Basaltgestein bedeckt wurden. Die weichen Tuffschichten erodierten schneller und hinterließen die einzigartigen Formen, die Love Valley berühmt gemacht haben.

Die einen sagen das Love Valley ist nach den phallusförmigen Felsformationen benannt, die die Landschaft prägen. Die andern erzählen sich die Geschichte von zwei Liebenden aus verfeindeten Familien. Es kam zur Tragödie, der Junge wurde getötet, das Mädchen beging Selbstmord. Daraufhin schufen göttliche Kräfte die Formationen des Tals als Symbol ewiger Liebe und als Warnung vor Zwietracht.

Nachdem am Tag ziemlich der Wind gegangen ist, der sich  bei Sonnenuntergang sogar zum Sandsturm entwickelt hat, hoffen wir, dass am nächsten Morgen die Ballone überhaupt starten können. Zum Glück hören wir vor Sonnenaufgang wieder das mittlerweile bekannte Geräusch – die Ballone werden aufgeblasen. Es ist wirklich ein tolles Spektakel und ein wunderschöner Anblick, wie unzählige Ballone über dem Tal schweben. Einige fahren ganz knapp über uns hinweg.

Nach einer Stunde ist das Spektakel wieder vorbei.

Wir machen uns Frühstück und verbringen einen chilligen Tag in toller Kulisse mit ein paar Fläschchen türkischem Wein.


Hinterlasse einen Kommentar