Georgien – Die heiße Quelle, der Mönch auf der Säule und die kaputte Brücke

Nach 4 tägiger anstrengender Anreise über Serbien, Bulgarien und die Türkei sind wir am Abend in Georgien angekommen, 968 Tage nachdem die Idee im georgischen Lokal Tamada in Graz geboren wurde. Zviadi, der sehr nette Betreiber des Lokales,  ist aufgrund der vielen schönen Bildbände und Fotos von Georgien, die er im Lokal aufliegen hat „schuld“ daran, dass wir hier her wollten. Und natürlich auch der gute georgische Wein! 

Von der türkischen Grenze kommend ist man sehr rasch in Batumi und gefangen im Großstadtjungle. Das ist extrem stressig und nix für uns. Die Georgier fahren wie die Wilden, hier gilt eindeutig das Recht des Stärkeren oder des Mutigeren! Ein Lokal und vorallem einen für uns geeigneten Schlafplatz findet man auch nicht so einfach. 

Daher geht’s weiter in den nächsten Ort, Kobuleti. Hier gibt es eine lange Strandpromende mit einigen Hotels, aber der Ort ist wohl noch im Winterschlaf und haben hier beinahe alle Lokale zu. 

Könnte auch sein, dass es am bevorstehenden orthodoxen Osterfest liegt, dass alles zu hat, denn wir bekommen auch keine Sim Karte. Zumindest der Markt hat offen. Als wir durchschlendern sehen wir immer wieder Säcke mit knallig buntem unidentifizierbarem pulverartigem Zeugs. 

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Wir rätseln was das ist und fragen mit Hilfe unseres Vasco Übersetzers, die alte Omi, die das Zeugs verkauft. Sie spricht russisch hinein und das Gerät liest auf deutsch vor: „Es ist zum Färben der Hoden.“ Wir schauen uns verwundet an und denken, der Vasco übersetzt Blödsinn. Bis wir dann etwas später von einem jungen Pärchen an einem Stand erklärt bekommen, das sei zum Eier färben. Ah – ja klar, Hoden = Eier! Jetzt machen die leuchtenden Farben auch Sinn. Und in 3 Tagen ist orthodoxer Ostersonntag, eine Woche nach dem römisch katholischen. Am Ostersonntag lernen wir dann auch den Brauch kennen, dass die Georgier Picknick am Friedhof machen, teilweise direkt auf den Grabsteinen, um bei der Osterjause die Ahnen quasi live dabei zu haben und ihnen zu gedenken. 

Weiter entlang am Markt werden wir dort und da gleich animiert den besten selbstgemachten Wein, Cognac und Tschatscha (Schnaps) zu kosten. Natürlich schmeckt alles super gut und wir kaufen fleißig ein. Vorallem der Cognac hat es dem Dackl angetan. 

Zum Glück finden wir doch ein Restaurant das offen hat, dort geraten wir gleich in eine Geburtsatgsfeier mit Live Musik. Die Leute sind gut drauf und laden uns gleich auf Wein und selbstgemachte Mehlspeisen ein. 

Am nächsten Tag geht es weiter nach Imeretien, wo eine heiße Schwefelquelle in der Nähe der Stadt Vani unser Ziel ist. Die Quelle ist nahe einem Fluss, die Gegend dort ist sehr schön und wir haben den ersten Schlafplatz in der freien Natur. 

Ein paar Fischer sind am Fluss, wir werden auf Tschatscha eingeladen und später bringt uns einer der Fischer eine Schüssel voll kleiner frischer Fische vorbei. 

Schon packen wir den Griller aus, die Fische sind die perfekte Vorspeise. 

In der Nacht und am nächsten Morgen geht leider so der Sturm, dass wir hier nicht bleiben wollen, obwohl es sonst ein recht chilliges Platzerl gewesen wäre. Also gehen wir noch kurz in der Quelle baden – um diese Uhrzeit sind noch keine anderen Menschen hier und wir haben das eingefasste Quellbecken für uns alleine. Dann geht’s weiter zur Katskhi-Säule. In der zerklüfteten Landschaft erhebt sich ein schmaler hoher Fels – Monolith, an dessen Fuße seit Jahrhunderten orthodoxe Mönche leben. 1993 erklomm der Mönch Maxime Qavtaradze den Felsen, errichtete sich auf den 10 x 15 Metern ein Häuschen und renovierte auch die kleine Kiche dort oben, die lange eine Ruine war. Sehr beeindruckend ist vorallem auch die steile Leiter, über die er gute 20 Minuten rauf und runter brauchte. 

Unser Schlafplatzziel nach der Besichtigung ist der See im Tikibuli Reservoir, nicht allzu weit entfernt. Jedoch sind die Straßen dermaßen schlecht, dass man für 50 Kliometer schon mal 2 Stunden brauchen kann. Und was uns auch gleich aufgefallen ist, es sind enorm viele Autos ohne Stoßstangen unterwegs, weil sie sich die irgendwo weggerissen haben. Bei uns wäre sowas natürlich undenkbar.

Kurz vor Mujireti kommen 2 Männer aus ihrem Garten auf die Straße und fragen uns wohin wir denn wollen, denn die Brücke im nächsten Ort sei kaputt. Hm – das ist blöd, den ganzen Weg zurückfahren ist voll anstrengend und wollen wir eigentlich nicht. Ob man denn nicht durch den Fluss fahren kann, frage ich. Ja meinen sie, mir eurem Auto schon. Da wird schon jemand dort sein, der uns den Weg zeigen kann…

Später als gedacht, kommen wir am See an, wieder mal gibt es nirgends ein offenes Restaurant, also suchen wir ein Platzerl zum Grillen am Flusszulauf zum See, das offensichtlich auch bei Fischern sehr beliebt ist. Und bei Fröschen. Dort war das lauteste Froschkonzert, das wir jemals gehört haben und zwar 24 Stunden durchgehend, ohne Pause. 

Da es dann doch sehr laut war, wir aber noch ein bisschen chillen wollen suchen wir einen neuen Platz direkt am See. Christian wirft die Angel aus, fängt aber nichts. Aber auch die Fischer, die Netze auslegen scheinen nichts gefangen zu haben, wie wir am nächsten Tag sehen werden. Kühe und Pferde kommen uns besuchen. Und am Abend auch ein Fischer mit dem wir uns mit Händen und Füßen mit Hilfe von Vasco und mit Zeichnungen verständigen. Unser selbstgemachtes Zirberl schmeckt ihm gut . 

Der Plan für den nächsten Tag ist, über Bakuriani, einen auf rund 1670m gelegen Skiort, zum Tabatskuri See zu fahren. Dieser liegt auf 2000m Höhe. Je näher wir Bakuriani kommen desto kälter und unfreundlicher wird es. Ich mache mir zu dem Zeitpunkt noch Sorgen, dass es auf 2000m recht ungemütlich sein würde. Aber soweit sollten wir gar nicht kommen. Der einzige Weg von dieser Seite zum See ist mit Betonleitwänden gesperrt und schaut auch nicht so vertrauenswürdig aus. Na gut, Plan B ist über eine andere Bergstraße in nordwestlicher Richtung  zum Fluss Mtkwari zu gelangen. Wir fahren einige Kilometer, wieder über holprige Straßen, durch ein Dorf, als am Ende des Dorfes plötzlich ein Polizeiposten ist. Der Polizist in Tarnkleidung mit altem Maschienengewehr über der Schulter und Kamera an der Jacke hält uns an und fragt uns wohin wir wollen. Ich erkläre es ihm auf englisch und zeige auf der Karte wo wir lang wollen. Nein, hier dürfen wir nicht weiter. Und unsere Papiere wollen sie haben. Na bravo, was ist jetzt wieder los? Hab ich etwa etwas übersehen und wir haben uns einer der beiden autonomen Republiken innerhalb Georgiens genähert, in die man nicht rein darf? Nein, das kann geographisch gar nicht sein. Der eine Polzist filmt unser Auto und Kennzeichen, während der andere gefühlte 20 Minuten mit Pässen und Zulassungsvhein in sein Kammerl verschwunden ist und telefoniert. Christian geht schon hin und fragt ob es ein Problem gibt. Nein, nein, alles ok. Aber da können wir wegen zu viel Schnee nicht weiterfahren. Aha. Es ist zwar weit und breit kein Schnee zu sehen (außer ganz oben auf den Bergfipfeln), aber wir können uns vorstellen, dass irgendwo eine Lawine abgegangen ist, die sie Straße versperrt. Nichteinmal ein paar hundert Meter lassen sie uns reinfahren, um in dem sehr schön ausschauenden Wald einen Schlafplatz zu suchen. Die Polizisten entschuldigen sich noch für ihr schlechtes Englisch und für die lange Wartezeit (uns ist immer noch nicht klar, WAS die da solange überprüft haben) und wir fahren relativ angefressen wieder zurück nach Bakuriani. Es ist schon spät und es gibt keine Aussicht auf einen Schlafplatz mit Grillmöglichkeit. Der Ort hat extrem viele Hotels und sicher auch viele Restaurants, aber es hat wieder mal ALLES geschlossen. Wir fragen ein paar Passanten, aber alle sagen, die Saison ist vorbei, es hat alles zu. Es ist zum verzweifeln. Bei einer einzigen windigen, ziemlich finsteren Bude blinkt ein „open“ Schild. Ok, dann gehen wir halt dort rein, essen was uns schlafen am großen leeren Parkplatz am Ortsende. Wir waren die einzigen Gäste, aber der Wirt war sehr nett und bemüht, hat ein bisschen englisch und deutsch gesprochen und nicht so schlecht gekocht. Wir ärgern uns noch immer, dass an den zwei Kreuzungen nicht angeschrieben war, dass man die Straße nicht weiterfahren kann, aber ist halt so.

Dafür werden wir am nächsten Tag mit einer schönen Route entlang des Mktwari Fluss entlohnt. Die Landschaft ändert sich immer wieder von schroff Felsig bis sanft hügelig und offen. Unterwegs sehen wir einige alte Festungsruinen, bis wir in Akhaltsikhe die wunderschön restaurierte Festungsanlge (teilweise aus dem 12. Jh.) besichtigen.

Wir sind motiviert und fahren am Nachmittag weiter zum Höhlenkloster Vardzia. Die Route ist sehr schon, durch enge Schluchten, hinauf auf 1200m. Die Felswände auf der gegenüberliegenden Flusseite sind gewaltig.

Dann sehen wir die alte Höhlenstadt, die im 12. Jh. in die Wand des Felsen gehauen wurde. Wahnsinn, der Anblick ist unvergesslich! 

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Aber das ist eine andere Geschichte….

Mehr dazu im nächsten Blogeintrag. 


2 Gedanken zu “Georgien – Die heiße Quelle, der Mönch auf der Säule und die kaputte Brücke

  1. Hallo liebe Evelyn/ Cosmogirl! 😇😇
    Das ist ein echt cooler Reisebericht! Sehr abenteuerlich – da bekommt man gleich Lust hinzufahren! Ich hoffe, die Reise wird so, wie ihr sie euch erwartet habt! Ich wünsche dir unvergessliche Eindrücke und komm gesund wieder!
    Alles Liebe Petra 😘😘

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