Türkei – Der Sodasee, die Caldera und ein Haufen alter Steine

Nach dem beeindruckenden Kappadokien wollen wir weiter Richtung Osten zum Vansee. 

Das Landschaftsbild wird durch unendliche Felder geprägt. Am Straßenrand sehen wir immer wieder Zeltlager. Ich vermute, dass die Feldarbeiter mit ihren Familien hier, wo sie gerade Arbeit haben, ihr Quartier aufgeschlagen haben.

Nicht selten steht eine Kuh, ein Schaf oder ein Hund plötzlich mitten auf der Straße, die Herden weiden am Straßenrand, Zäune gibt es keine. Da muss man schon höllisch aufpassen! 

Auf unserem Weg zum Vansee liegt mehr oder weniger der Nemrut Dağı, der Berg der Götter. 

König Antiochos I. (69–36 v. Chr.) ließ den Berggipfel mittels Geröllaufschüttung mit einem Durchmesser von 150 und einer Höhe von 45 Metern künstlich erhöhen. Wie die das in der damaligen Zeit gemacht haben, ist mir ein Rätsel. 

Der aufgeschüttete Berggipfel

Antiochos gab sich selber den Beinamen Theos. Auf der westlichen und östlichen Terrasse der Aufschüttung sind große Götterstatuen zu sehen, die König Antiochos in Gesellschaft von griechisch-persischen Göttern darstellen.

Im Inneren des künstlichen Berggipfels wird ein Grabmal vermutet, das aber bis jetzt noch nicht entdeckt werden konnte. 

Wir übernachten ein paar Kilometer unterhalb des Gipfels, wo wir auf dem steilen Berg eine ebene Fläche gefunden haben, auf der es ein paar verfallene Häuser gibt. In der Kehre gibt es ein Hotel. Normalerweise campieren wir nicht gleich neben Hotels oder dergleichen, das wird oft nicht gerne gesehen. Aber einen andern Platz finden wir nicht für diese Nacht. 

Kaum haben wir den Griller angeheizt kommt auch schon ein Mann vom Hotel zu uns herauf. Er fragt woher wir kommen, ist sehr freundlich und meint, wenn wir etwas brauchen, er sei da.

In der Nacht gewittert es ordentlich, auch in der Früh schaut es regnerisch aus. Wir beschließen, nicht selber Frühstück zu machen, sondern zu fragen, ob wir im Hotel etwas bekommen. Der Mann, der uns gestern Abend besucht hat, stellt sich als Besitzer heraus und heißt Zeynel. Er hat sich selber Englisch beigebracht, sagt er, und so können wir uns ein wenig mit ihm unterhalten. Er meint, Englisch sei kein Unterrichtsfach in der Türkei. Das haben wir gemerkt, so gut wie niemand, den wir so getroffen haben, spricht Englisch. 

Ich frage ihn, was es mit den tausenden von Neubauten auf sich hat. die man immerwieder entlang der Schnellstraßen irgendwo mitten im Nichts oder an Stadträndern sieht – großteils erst am Fertigwerden. Ich hatte vermutet, dass es neue Wohnungen für Erdbebenopfer sein könnten. Er meint, der Staat baut neue Wohnsiedlungen, da viele Häuser generell sehr desolat und alt sind. Es werde hier die Möglichkeit für die Bevölkerung geschaffen, günstig eine Wohnung oder einen Bungalow zu erwerben, es müsste nur 50% bezahlt werden, den Rest bezahle der Staat. 

Christian spricht ihn auf Erdoğan an. Wir haben dort und da schon die Einheimischen gefragt und haben sowohl Erdoğan Begeisterte als auch Ablehner getroffen. Zeynel ist pro Erdoğan. Er meint, Erdoğan sei ein starker Mann, der das Land zusammenhält. Ohne ihn würde es Krieg in der Türkei geben. Zu viele unterschiedliche Menschen/Kulturen.

Wir fragen Zeynel auch, was es mit den verfallenen Häusern hier auf sich hat. Er meint, das waren alles kleine Gästehäuser und ein Café, die seit den 50er Jahren nicht mehr in Betrieb sind. Nur sein Hotel (mit 8 Zimmern) habe überlebt, da er die einzige Quelle und somit Wasser habe. 

Zeynel und Christian vor dem Hotel
Çeşme

Bei einem Stop in Gölbasi haben wir viele vom starken Erdbeben 2023 zerstörte Häuser gesehen. Am Ortsanfang und -ende sehen wir große Containerwohnlager. Viele Geschäfte sind auch in Container umgezogen.

Am Straßenrand stehen plötzlich immer wieder junge Männer, die irgendwelche großen grünen Büscheln zum Verkauf in der Hand hochhalten. Ich kann nicht genau erkennen was es ist, für Spargel ist es zu groß. Wir bleiben stehen. Der junge Mann kann natürlich kein Englisch, darum ist es schwer herauszufinden, was das nun ist. Er bricht eine der Stangen unten auf und schält sie ab und lässt mich kosten. „Vitamin“ sagt er. Es erinnert mich an Rhabarber. Und nach meiner Google Recherche stellt sich heraus, dass es Işgın ist, eine Rhabarberart, die in den gemäßigten und subtropischen Regionen Südwestasiens in Höhen von 1000 – 4000 m wild wächst. Rund um den Vansee und auch später haben wir noch Berge davon gesehen, die an den Marktständen verkauft werden.

Der Vansee ist der größte Sodasee der Erde. Sein Wasser ist reich an Soda und anderen Salzen. Die einzige endemische Fischart, die sich den lebensbedrohlichen Bedingungen im See angepasst hat, ist eine Karpfenart – der Inci Kefali. 

Leider herrscht Gewitterstimmung. Die Wettervorhersage für die nächsten 2 Tage ist gar nicht gut. Blöd, denn wir wollen in den Vulkankrater des Nemrut Dagi, der sich am Ostufer des Sees erhebt. Aber bei dem Wetter hat das keinen Sinn. 

Wir essen in einem Lokal mit Blick auf Tatvan, das viele kleine Hütten-Séparées hat, zu Abend und schlafen auch gleich dort. Am nächsten Morgen gibt es ein tolles Frühstück.

Wir beschließen das Wetter auszusitzen und eine Runde um den Vansee zu drehen. Im Nordwesten, bei Erciş, gelten die Fischeier des Inci Kefali als Spezialität. Die wollen wir natürlich probieren. 

Schlafplatzscouting im Süden vom Vansee:

Am Weg nach Erciş besuchen wir die Insel Akdamar, die lange Zeit das kulturelle Zentrum der Armenier im Armenischen Hochland war. Alte Steine die Zweite………

Berühmt ist die Insel vor allem wegen ihrer armenischen Kirche, der „Kirche zum Heiligen Kreuz“ die um 915 herum mit einer Kloster und Palastanlage vom König von Vaspurakan erbaut worden ist.

Die Außenwände der Kirche sind reich mit Reliefs verziert, die viele bekannte biblische Geschichten darstellen. Außerdem wurden auf den Reliefs 30 Tierarten entdeckt, die heute teilweise ausgestorben sind oder kurz vor dem Aussterben stehen. Wahrscheinlich geben die Reliefs die damalige Fauna Anatoliens wieder.

Das Kloster wurde beim Völkermord an den Armeniern 1915 zerstört, die Kirche geplündert und die Mönche wurden getötet.

Die Kirche wurde Anfang der 2000er Jahre renoviert, jedoch von den Türken als Museum eröffnet, was die Armenier kritisieren, sie würden die Kirche gerne wieder als religiöse Stätte sehen. 

Der Weg nach Erciş ist noch weit und wir kommen erst am Abend an. Wir haben noch keinen Schlafplatz und Hunger. Wir wollen nicht mehr selber kochen, daher google ich nach Fischrestaurants. Nur 2 Treffer. Dort wo wir zuerst hinfahren, ist kein Restaurant, sondern einer der beliebten Parks mit den Pavillons, die alle einen Griller haben.

Der zweite Treffer ist eine wilde Bude mit Forellenzucht. Nicht das was wir erwartet hatten aber gut.

Wir beschließen als Schlechtwetterprogramm Shoppen und zum Friseur zu gehen.  

Plötzlich bricht uns der Auspuff runter. Gegenüber ist gleich eine Wekstatt, aber keine, die uns helfen kann. Der Besitzer setzt sich ins Auto und meint wir sollen ihm folgen. Er bringt uns in die Schrauberstraße.

Çay – den Türkischen Tee – bekommt man hier wirklich überall angeboten, egal ob man bei der Telekom eine Simkarte kauft, beim Optiker schnell was an der Brille richten lässt, in der Werkstatt oder an der Tankstelle.

Hier bekamen wir den Çay sogar an die Zapfsäule serviert.

Als wir dann später unser geplantes Programm fortsetzen, frage ich meine Friseurin, ob sie ein Lokal weiß, wo man den Vanseekarpfen essen könne. Sie überlegt, telefoniert kurz und sagt dann, dass sich der Fisch gerade in der Laichzeit befindet und momentan nicht gefischt wer den darf. Pech gehabt! Da kommen dann wohl nur die Einheimischen, die illegal ihre Reusen aufstellen in den Genuß des Kaviars und des Karpfens.

Wir fahren noch mal zu dem Park wo wir gestern ein Lokal vermutet haben. Dort mündet ein Fluß in den See. Die Fische springen über kleine Wasserfälle flußaufwärts, um ihre Laichplätze zu erreichen. Nicht nur für die vielen Möwen, die auf einen guten Fang hoffen, ein Spektakel.

Eine Möwe macht Beute

Das Wetter ist wieder schön, wir machen uns auf den Weg auf den Vulkankrater. 

In der Nacht war es kalt und es hat geregnet. Wir sehen, dass die Berge rundherum frisch angeschneit sind. Daher mach ich mir Sorgen, dass wir gar nicht raufkommen in den Krater. Aber der Nemrut Vulkan ist nicht so hoch, wie die umliegenden Berge und nur die bis zu 2.900 Meter hohe Kraterwand ist etwas angezuckert. Die Caldera, eine rund 8 x 7 Kilometer große ovale Fläche, liegt auf rund 2.300 m und ist durch Einsturz des Vulkankraters entstanden. Die östliche Hälfte aus Tuffstein und Vulkankegeln ist  grün bewachsen und es gibt 4 kleine Seen. Die westliche Hälfte liegt wesentlich tiefer und wird von einem halbmondförmigen See eingenommen. Umgeben ist das Ganze von einer bis nahezu 700 Meter hohen Calderawand. Echt eine tolle Kulisse! 

Über die Sommermonate schlagen hier einige Wandernomaden mit ihren Schaf- und Ziegenherden ihre Zelte auf. 

Auch wir sehen 2 große Herden, die aber aus den umliegenden Dörfern sein müssen, denn am Abend sind sie wieder verschwunden.,

Wir bleiben 2 Nächte, obwohl es in der Nacht mit nur 4 Grad ziemlich kalt ist. Aber tagsüber, sobald die Sonne rauskommt, ist es angenehm warm. 

Auf der südlichen Außenseite führt ein sehr steiler, sehr schlechter Weg in einigen Spitzkehren hinauf auf die Calderawand. 

Im Sommer dürfte hier ein Sessellift hinaufgehen. Momentan ist er aber nicht in Betrieb. Ich möchte natürlich rauf, da das sicher ein schönes Fotomotiv gibt. Vor der ersten Spitzkehre merken wir, dass unsere Untersetzung nicht funktioniert. Der Seilzug steckt. Christian meint, ohne Untersetzung fährt er da lieber nicht rauf. Ich bin auf der einen Seite enttäuscht, dass ich nicht rauf kann, auf der anderen Seite froh, dass der Dackl mal sagt, da fährt er nicht (sowas hört man sonst nie aus seinem Munde), denn als ich den Zustand des wirklich steilen Weges gesehen habe ist mir schon Angst und Bange geworden. 

Darum hab ich ein Foto der Nasa geklaut, das im Sommer 2024 veröffentlicht wurde und die Caldera von oben zeigt. 

Weiter geht es in den äußersten Osten der Türkei, bei Doğubeyazıt nahe der Iranischen Grenze schauen wir uns den Ishak-Pascha-Palast (alte Steine die Dritte) an und gehen am Markt einkaufen. 

Immer wieder begleitet uns der Blick auf den Großen Ararat, der mit 5.137 m der höchste Berg der Türkei ist.

Direkt an der armenischen Grenze liegt Ani, eine seit mehr als drei Jahrhunderten verlassene und heute in Ruinen liegende ehemalige armenische Hauptstadt auf dem Gebiet der heutigen Türkei, die 2016 zum Weltkulturerbe erklärt wurde (alte Steine die Vierte). 

Ani ist seit dem 5. Jahrhundert als armenische Festung nachweisbar, im 10. Jahrhundert entwickelte sich der an der Seidenstraße gelegene Ort zu einer bedeutenden Stadt mit über 100.000 Einwohnern. 

Die Erlöserkirche

Es gibt auch heute noch noch ein Dorf Ani. Es kommt einem wirklich wie am Ende der Welt hier vor. Es gibt kein Lokal, keinen Minmarkt, keinen Bäcker. Bei jedem Haus sieht man Tiere, von Hendln, über Gänse, Schafe und Kühe. 

Bei unserem Schlafplatz an einem kleinen Bacherl liegt kein Müll. Vermutlich weil hier nie jemand herkommt.

Juhuu, ich darf auch mal Offroad fahren 🙈

Nach diesen ganzen Besichtigungstouren meint der Dackl: „So, jetzt hab ich genug alte Steine gesehen!“

Es wird Zeit, dass wir wieder in die Natur kommen und ein paar Offroad-Bergtouren fahren! 

Es wird noch spannend werden!


2 Gedanken zu “Türkei – Der Sodasee, die Caldera und ein Haufen alter Steine

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